Vereinsgeschichte
Die Musikkapelle Menningen wurde 1896 gegründet und wurde erstmals erwähnt als sie bei einem dörflichen Fest das zu Ehren des deutschen Kaisers und aus Anlass seines
Geburtstages veranstaltet wurde, aufspielte. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Auftritte bei Hochzeiten und örtlichen Festen.
Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es bis zum Jahr 1947 ehe sich die Kapelle mit zwölf Musikern, die teils nach Kriegs und Gefangenschaftsjahren in ihr Heimatdorf zurückkehrten, neu formierte.
In den 60er Jahren erlebte die Musikkapelle einen personellen und musikalischen Aufschwung. So nahm man erstmals an Wertungsspielen
teil und 1967 wurde der Stand von 30 aktiven überschritten. 1969 wagten einige Musikanten den Sprung in die Tanzmusik und wurden als "Ablachtal-Musikanten" in der näheren und weiteren Umgebung
bekannt. 1975 feierte man das 75-jährige Bestehen mit einem großen Musikfest. In den 80er Jahren wuchs die Kapelle auf ca. 45 Aktive an und größere Auftritte und Reisen wie beim Karneval in Vichy
und in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn waren keine Seltenheit.
Im Jahr 2000 feierte man das 100-jährige Jubiläum mit einem Bezirksmusikfest. Höhepunkt war die Verleihung der "Pro-Musica-Plakette",
die man Dank jahrelanger Forschungen des ehemaligen Vorsitzenden Karl Mägerle in Empfang nehmen durfte.
Heute besteht die Musikkapelle Menningen aus 35 Aktiven Musikerinnen und Musikern sowie sieben Jungmusikern in Ausbildung, umrahmt viele Feste und Anlässe im Dorf und ist auch in der näheren und
weiteren Umgebung bei Vereins- und Musikfesten musikalisch aktiv.
Musikkapelle Menningen (800 Jahre Menningen – von Karl Mägerle)
Das kulturelle Leben der Gemeinde Menningen dürfte in den letzten Jahrzehnten besonders durch die Musikkapelle Menningen geprägt worden sein. Urkundlich ist dies eine der ältesten weltlichen Gemeinschaften im Ort, die um die Jahrhundertwende von jungen Männern, die sich mit der Musik verbunden fühlten, in freier Form gegründet wurde. Im Jahre 1900 wurde mit einer 7 Mann starken Kapelle der erste öffentliche Auftritt bei einer Dorfhochzeit gewagt. Als Dirigent wurde Anton Maier erwähnt, außerdem gehörten ihr Johann Maier, Stefan Restle, Julius Kempf, Otto Amann, Paul Abt und Konrad Jung an. Die Instrumente wurden von dem jeweiligen Musikliebhaber selbst beschafft, und in verschiedenen Räumen, Scheunen, ja sogar im Holzschopf, brachte Dirigent Anton Maier, der seine Erfahrungen auswärts gesammelt hatte, seinen Musikern ein harmonisches Zusammenspiel bei. Bis zum l. Weltkrieg 1914 konnten sie sich mehr oder weniger zusammenhalten und ab und zu gab es sogar Verstärkung. Durch die Einberufung zum Militärdienst und die Kriegsjahre 1914 — 1918 gab es für einige Jahre eine Unterbrechung der Musikkapelle, die sich erst im Jahre 1921 wieder zu formieren begann, wobei die Erstgründer der jüngeren Generation ihre Instrumente zur Verfügung stellten, soweit sie noch vorhanden waren. Der Neubeginn war im Oktober des Jahres 1921, als sich insgesamt fünf Männer meldeten, die unter Johann Droxner aus Dietershofen, der sich später im benachbarten Igelswies verheiratete und bereits zwei Instrumente (Flügelhorn und Tenorhorn) spielte, wieder Musik machten mit folgender Stimmenbesetzung: Karl Riester (Trompete), Johann Restle- (Flügelhorn), Fritz Zwick (Klarinette), Roderich Moser (Baß) und Matheis Hukle (B-Horn). Der erste Auftritt war an der Fastnacht im Jahre 1922. Die Auftritte selbst waren bei Hochzeiten im Dorf, wobei eifrig zum Tanz aufgespielt wurde, sowie bei den kirchlichen Anlässen und Festen, wie am Fronleichnamstag oder Kirchenpatrozinium. Von 1927 an hatte Karl Riester die Leitung der inzwischen auf 10 Mann angewachsenen Kapelle mit Karl Schellinger, Eduard Herrmann, Johann Restle, Anton Henkel, Otto Zwick, Alfons Häusler (Ringgenbach), Johann Kempf und Otto Restle übernommen.Als Proberaum diente die Küferwerkstatt von Küfermeister Johann Restle, und im Scheine der Erdöllampe wurden die Musikstücke eingelernt. Diese Kapelle brachte in das bis dahin sehr ruhige Dorfgeschehen einen kleinen Aufschwung. Sie sorgte für einige Tanzveranstaltungen im Gasthaus „ Adler " und „ Bahnhof", wobei der Andrang zum Teil so stark war, daß der damalige Ortspolizist Friedrich Mägerle die einzelnen Tanztouren mit einem sogenannten Tanzseil gegen Eindringlinge absperren mußte. Mit den Einnahmen wurde neues Notenmaterial angeschafft und der Restbetrag an die einzelnen Musiker bar ausbezahlt. Eine allgemeine Tanztour kostete 10 Pfennig, Extra- oder Damentouren mußten mit 30 Pfennigen vom Kavalier bezahlt werden. In den folgenden Jahren zeigte sich innerhalb der jungen männlichen Bevölkerung Interesse an der Musikkapelle, die auf 17 Mann anwuchs und somit in den einzelnen Stimmen doppelt besetzt werden konnte. Nach diesen sehr erfolgreichen Jahren, in denen auch in kameradschaftlicher Hinsicht vieles getan und auch manches Faß Bier getrunken wurde, wie es die ehemaligen Musikanten heute noch gerne erzählen, war durch die Abstellungen und Einberufung zum Kriegsdienst im Jahre 1939 der Weiterbestand der Musikkapelle Menningen nicht mehr möglich. 1947 taten sich die übrig gebliebenen Musiker, die von der Front und aus der Gefangenschaft wieder in ihr Hematdorf zurückgekehrt waren, wieder zusammen und nach Vorbesprechungen mit der Besatzungsmacht, die ihre Zustimmung erteilte, war man sich über den Fortbestand der Musikkapelle Menningen einig. Um vorweg den Besatzungsmächten gegenüber ein besseres Bild, ohne geringsten Hauch von preussischem Drill und Militarismus zu geben, wurde Adolf Seifritz als Vorstand gewählt, nicht ernannt. Mit insges. 12 Musikern begann Karl Riester wieder mit dem Neuaufbau der Kapelle, die im Laufe der kommenden Jahre durch mehrere Zugänge aus dem Dorf verstärkt wurde. Eine erste Generalversammlung wurde im Jahre 1949 abgehalten, und eine erweiterte Vorstandschaft mit Kassier und Schriftführer gewählt. Bei der 2. Versammlung im Januar 1951 wurde dieses Gremium erweitert und die Vorstandschaft setzte sich zusammen aus dem l. Vorstand, wie bisher Adolf Seifritz, Kassier Gustav Ramsperger, Schriftführer Karl Schellinger, Beisitzer Otto Zwick, Heinrich Klett, Josef Ott, Eugen Boos und Ernst Moser. Bei dieser Versammlung wurden die altershalber und aus gesundheitlichen Gründen ausscheidenden Musikkameraden Johann Restle, Anton Henkel und Eduard Herrmann zu Ehrenmitgliedern der Musikkapelle Menningen ernannt.Bereits ein Jahr später wies die Kapelle den bisher höchsten Stand mit 20 Musikern auf. Die Musikfeste wurden zu dieser Zeit bereits in der näheren Umgebung besucht, zu denen mit dem Holzwagen und den in der Gemeinde vorhandenen zwei Traktoren gefahren wurde. Die alten Gebräuche wurden eingehalten, daß am Weißen Sonntag die Kommunionkinder unter Marschmusik vom Pfarrhaus zur Kirche geleitet werden, und an Fronleichnam die Prozession mit Musik feierlich durch die Ortsstraßen zum jeweiligen Altar begleitete wird. Das gleiche galt am Kirchenpatroziniumsfest, bei dem um fünf Uhr zum Wecken gespielt wurde. Bei Hochzeiten wurde, sofern es gewünscht wurde, der Hochzeitszug mit Musik von der Kirche zum Lokal geleitet und anschließend zum Brauttanz aufgespielt. Die abendliche Tanzveranstaltung wurde ebenfalls mit übernommen. Die Vermählung eines Musikers war ein besonders großer Tag für die Musikkapelle, die sich die Mühe machte, ein meist über einstündiges Konzertprogramm
den Hochzeitsgästen vorzutragen. Die Ehrentage für die im Kriege gefallenen Einwohner, ob von der kirchlichen oder politischen Gemeinde abgehalten, wurden von der Musikkapelle in würdiger Weise umrahmt. Für die Auffrischung der Finanzen und dem Bestreiten der stetigen Kosten wurden Tanzveranstaltungen, wie Mai-, Ernte- und Kirchweihtanz abgehalten. Für die Pflege der Kameradschaft sorgte der Vereinsausflug, der immer ein sehr großes Erlebnis für alle war. Einen großen Aufschwung und gewisses Gepräge bekam die Kapelle unter der Leitung ihres damaligen Dirigenten Karl Riester, der im Dezember 1951 für 30-jährige Mitgliedschaft und 25-jährige Tätigkeit als Dirigent von seinen Musikkameraden geehrt wurde. Die Anforderungen, die damals schon an die Musiker gestellt wurden, zeigen die zum Teil 18 bis 25 Auftritte pro Jahr, sowie die 70 bis 85 Probenabende. Diese Aktivität ist dem gut leitenden Dirigenten Karl Riester zuzuschreiben. Im Jahr 1953 wurde am Ostermontag das erste große und öffentliche Konzert im Gasthaus zum .Bahnhof" in Menningen vorgetragen, das ein volles und bis auf den letzten Platz besetztes Haus brachte. Die Jahre 1954/55 brachten Rückschläge und Trauer, denn in dieser Zeit verstarben drei gute aktive Kräfte, der Trommler Heinrich Klett, der Tenorhornist Peter Hoffmann und Dirigent Karl Riester. Ihr Tod riß eine große, kaum zu schließende Lücke. Die Kapelle wählte an ihrer Hauptversammlung 1956 Adolf Seifritz, den langjährigen l. Vorstand zum Dirigenten und Albert Schellinger zum neuen Vorstand. Rechner der Kapelle war Mathäus Jung und Schriftführer wurde Erwin Restle. Seit dem Bestehen der Musikkapelle wurde Wert auf eine Einheitskleidung gelegt, die in all den Jahren aus der von der Gemeinde gestellten Feuerwehruniform und deren Mützen bestand. Der Wunsch nach einer eigenen Musikuniform wurde im Jahre 1957 durch das Ausstattungshaus Münz erfüllt, und der Bevölkerung präsentierten sich am Ostermontag bei einem Platzkonzert die Musikanten im neuen Gewand.
Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit fühlte sich Adolf Seifritz außerstande den Dirigentenstab der Kapelle weiterzuführen, den nach eingehender Einarbeitung Albert Schellinger
übernahm. Die durchschnittliche Stärke betrug In den folgenden Jahren 22 bis 28 Mann. Eine Umbenennung von Musikkapelle auf Musikverein wurde 1958 als nicht ideal gefunden, aber trotzdem angenommen, wobei gleichzeitig allgemeine Satzungen mit neun Abschnitten von der Versammlung gut geheißen wurden. In all den Jahren, während in Menningen Fastnacht gefeiert wurde, waren die Musiker im wahrsten Sinne mit tonangebend und sorgten für die nötige Popularität dieses Brauchtums im Dorfe. Mit der im Jahre 1957 ins Leben gerufenen Fuchszunft war erstmals ein gemeinsamer Auftritt der Fuchszunft und der Musikkapelle im Jahre 1959 beim großen Rosen-Montagsumzug in Meßkirch fällig. Mit Umsicht und viel Geschick leitete Dirigent Albert Schellinger und verstand es die Musiker zu begeistern. Der Leistungsstand wurde erstmalig im Jahre 1961 beim Wertungsspiel in der Stadthalle in Meßkirch gemessen. In der Unterstufe wurde mit den Vorträgen „Sammelruf der Bläser" und der Ouvertüre „Anti-gone" ein „sehr gut" erreicht. Bereits Anfang der 60er Jahre wurde neben der Volks- und Unterhaltungsmusik von einigen Musikkameraden bei örtlichen Anlässen zum Tanz aufgespielt, wodurch die Gesamtkapelle entlastet wurde. Erstmals seit Bestehen der Kapelle überschritten die aktiven Musiker im Jahre 1967 die Zahl 30. Dies kam zustande durch die Jungmusiker, die von Dirigent Albert Schellinger in mehr als eineinhalb Jahren eingelernt wurden. Bedingt durch den Anschluß der Fuchszunft an die Hegau-Bodensee-Narrenvereinigung war eine Übereinkunft getroffen worden, wonach die Musikkapelle die Zunft während der Narrentreffen begleiten und den munteren Zug der Menninger Füchse mit einem eigens dafür geschaffenen Fuchsmarsch anführen soll. So kamen die Musiker im ganzen Hegau-Bodensee und Linzgau zum bunten Treiben während der Fastnachtszeit. Unübertroffen war jedoch der große Umzug am Fastnachtssonntag 1966 in Mannheim, zu der Zunft und Musikkapelle von der Narrenvereinigung Mannheim eingeladen worden waren. Präsident Karl Hänsler von der Fuchszunft war der Initiator für diese große Sache, die tadellos klappte. Während des ca. 8 km langen Umzuges wurden die Musiker von ca. 300000 Zuschauern zu unermüdlichem Spielen aufgefordert und gaben vor dieser gewaltigen Menschenkulisse Zeugnis ihrer Kondition. Im ca. 4000 Menschen fassenden „ Rosengarten" in Mannheim wurde der mit den Füchsen eingeübte Fuchstanz aufgeführt. Dieser große Auftritt von 1966 hatte anscheinend bei den Mannheimern großen Anklang gefunden, denn bereits 4 Jahre später, 1970, war man wieder zu Gast in der Rhein-Neckar-Stadt. Als Vertretung der Hegau-Bodensee-Narrenvereinigung waren die Fuchszunft und Musikkapelle im Jahre 1967 in Mühlhausen/Frankreich. Beim internationalen Programm im Sportpalast traten die Füchse mit Musikkapelle auf. Außerdem waren die Menninger bei einem gemeinsamen Auftritt bei der Prunksitzung in der Donauhalle in Ulm und im Konzil in Konstanz im Jahr 1968 vertreten.
Als 25-jährige Aktive konnte die Musikkapelle Adolf Seifritz und Gustav Ramsperger ehren. Nach dem Ausscheiden von Adolf Seifritz wählte die Versammlung 1968 Josef Klett zum l. Vorstand, II. Vorstand wurde Konrad Schatz. Die Teilnahme bei einem Wertungsspiel in Pfullendorf brachte in der Mittelstufe einen zweiten Rang für die Musiker aus Menningen. Im gleichen Jahr wurde eine Tanzmusikabteilung offiziell mit 12 Mann aus der Gesamtkapelle zusammengestellt die ihren ersten Auftritt bei der Fastnacht 1969 hatte. Diese Tanzabteilung, die für Veranstaltungen innerhalb des Dorfes vorgesehen war, machte große Fortschritte und fand bei Veranstaltungen in der näheren und weiteren Umgebung großen Anklang. Die inzwischen auf 18 Mann erhöhte Besetzung spielte inzwischen schon bei Großveranstaltungen im Bezirk Meßkirch, Sigmaringen und Balingen. 15 bis 20 Tanzveranstaltungen im Jahr sind jetzt keine Seltenheit mehr. Eine zusätzliche Probenbelastung dieser Musiker wurde unumgänglich, sodaß neben den Gesamtproben, die hierbei nicht vernachlässigt werden und nach wie vor einen wichtigen Teil der Musikkapelle Menningen bilden, weitere Freizeit geopfert werden muß. 80 Proben im Jahr sind keine Seltenheit. Im Jahr 1972 wurde dieser Tanzmusikabteilung der Name „Ablachtal - Musikanten " gegeben. Für 25-jährige Musikzugehörigkeit konnten zwischenzeitlich Franz Binder, Ernst Moser, Konrad Boos und Josef Moser ausgezeichnet werden. Für das Jahr 1974 wird diese Ehrung, die jeweils in einer kleinen Feier und in Anwesenheit eines Vertreters des Blasmusikverbandes Bodensee-Linzgau im Namen des Deutschen Blasmusikverbandes abgehalten wird, dem großen Tambour Josef Klett zuteil. Die Kapelle besteht zur Zeit aus 27 Aktiven sowie 24 Jungmusikern, die sich z. Zt. unter Anweisung von Dirigent Albert Schellinger u. Edmund Restle in Ausbildung befinden. Außerdem gehören der Kapelle sechs Ehrenmitglieder an, alles alte verdiente „Ehemalige". Es sind dies Johann Restle, Eduard Herrmann, Otto Zwick, Karl Schellinger, Adolf Seifritz und Alfons Häusler. Für die Proben wurde von der Gemeinde im Schulhaus ein Raum zur Verfügung gestellt. Jährlich wird nach den Fastnachtstagen eine Jahreshauptversammlung ab- gehalten, bei der neben dem Tätigkeitsbericht auch die Finanzlage der Kasse dargelegt und überprüft wird. Die Vorstandschaft setzt sich seit der Hauptversammlung von 1972 wie folgt zusammen: I. Vorstand Edmund Restle, II. Vorstand Konrad Schatz (seit 1968 in seinem Amt bestätigt), Kassier Karl Mägerle (seit 1963 in seinem Amt bestätigt), Schriftführer Erwin Restle (seit 1956 in seinem Amt bestätigt), Dirigent Albert Schellinger, unter dessen Leitung die Kapelle eine große Leistungssteigerung erfuhr. Außerdem gehört der Musikkapelle ein Ausschuß an, der aus Gustav Ramsperger, Franz Binder und Ernst Moser besteht. Die Bürger von Menningen dürfen auf diese Männer der Musikkapelle stolz sein, die sehr großen Anteil am örtlichen kulturellen Leben haben und um dessen Fortbestand besorgt sind.
Karl Mägerle

